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Knigge

„Der hat wohl seinen Knigge nicht gelesen“, so kann man oft hören, wenn sich vermeintlich stilvolle Zeitgenossen mit ein wenig erhobenen Augenbrauen über die Mitmenschen unterhalten, die es ihrer Ansicht nach nicht so korrekt halten. Fraglich ist hierbei, ob denn der Sprecher selbst „seinen Knigge“ gelesen hat und ob Freiherr von Knigge sich tatsächlich jemals irgendetwas zu einer ähnlich gearteten Situation geäußert hat. Zumindest hat der Sittenwächter bewiesen, dass er selbst mindestens einem Irrtum unterliegt: Es zeugt nicht von gutem Stil, sich über mögliche Fehler in den Umgangsformen von anderen zu unterhalten.


Sie wussten vielleicht schon, dass es „den Knigge“, so wie der Begriff heute meist verwendet wird, gar nicht gibt, geschweige denn, einen „neuen Knigge“. Adolph Freiherr von Knigge hat ein wunderbares Buch geschrieben. Nicht umsonst heißt es „Über den Umgang mit Menschen“. Wie man Besteck richtig benutzt steht dort ebenso wenig etwas wie über die Länge der Socken. Dies sind moderne Etikette- und Stilregeln, die sich zwar alle historisch begründen lassen, aber nicht im Werk des Freiherrn von Knigge zu finden sind. Dort lesen wir vielmehr:


„Lerne den Ton der Gesellschaft annehmen, in der Du Dich befindest.“ Eine Forderung für das Miteinander, die in der globalen und multikulturellen Welt hochaktuell ist.


Der 1752 in Hannover geborene Friedrich Adolph Freiherr von Knigge war ein Vielschreiber. Seine Gesamtausgabe umfasst 23 Bände – kaum jemand liest seine Werke heute noch. „Über den Umgang mit Menschen“ hat ihn berühmt gemacht, bis heute wird es immer wieder neu aufgelegt. Doch auch wenn immer wieder vom „Knigge“ die Rede ist und sein Name in Deutschland schon ein Synonym für „Umgangsformen“ geworden ist, auch „Über den Umgang mit Menschen“ wird nur von wenigen gelesen.


Sehr schade, denn zum Beispiel der Satz: „Sei, was Du bist, immer ganz und gar derselbe.“ ist eine Forderung, die auch im 21. Jahrhundert sicher viele unterschreiben würden.



Ob Freiherr von Knigge es mit Humor genommen hätte, dass sein Namen nun in Buchtiteln wie „Sex-Knigge“, „Schlampen-Knigge“, „Klima-Knigge“, „Schwiegermutter-Knigge“, „Hunde-Knigge“, „Medien-Knigge“ und „Weißwurst-Knigge“ auftaucht, so dass es nun über 800 Bücher gibt, die mit dem Namen „Knigge“ um Aufmerksamkeit werben, oder ob er verzweifelt darüber wäre, dass er auch noch mehr als 200 Jahr nach seinem Tod nicht verstanden wird, darüber lässt sich nur spekulieren.

 

Dennoch zeigt nicht nur die Bemerkung „er hat seinen Knigge nicht gelesen“, sondern die oft laut geäußerte Frage, wie wohl eine Situation „nach Knigge“ zu lösen sei, ebenso wie die vielen „Knigge-Seminare“ oder „Knigge-Kurse“, die es inzwischen gibt und die nahezu unzähligen Bücher, die mit dem Wort „Knigge“ im Titel um Aufmerksamkeit werben, dass das Thema „Umgang mit Menschen“ hochaktuell ist.


„...die Kunst des Umgangs mit Menschen...; die Kunst, sich bemerken, geltend, geachtet zu machen, ohne beneidet zu werden; sich nach den Temperamenten, Einsichten und Neigungen der Menschen zu richten, ohne falsch zu sein; sich ungezwungen in den Ton jeder Gesellschaft stimmen zu können, ohne weder Eigentümlichkeit des Charakters zu verlieren, noch sich zu niedriger Schmeichelei herabzulassen.“


Möchten Sie also diese Kunst im Umgang mit Menschen lernen und viel über moderne Etikette-Regeln im Beruf, bei Tisch und in der Kleidung erfahren, so freue ich mich über eine Zusammenarbeit.

 

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