Was den Engländern die Teatime, ist den Deutschen der Kaffeeklatsch. Wie handhabt man die verschiedenen Gebäcksorten formvollendet – welcher Kuchen darf mit den Fingern gegessen werden und wann muss unweigerlich die Kuchengabel zum Einsatz kommen? Kann man Torten auch mit dem Teelöffel in mundgerechte Stücke zerteilen und gehört eine Stoffserviette auf die Kaffeetafel? Und wie verhält man sich korrekt am Büfett? Muss man bei jedem Gang einen neuen Teller nehmen, von welcher Seite stellt man sich an und wohin mit dem schmutzigen Besteck?
Fast Food: Wie isst man es richtig?
Frauke und Henning kennen sich erst seit Kurzem. Eine Gemeinsamkeit haben sie dennoch schon entdeckt: Ob Burger oder Pizza – wenn es ums Essen geht, übertrifft Fast Food einfach alles andere. Nur in Sachen Ess-Gewohnheiten sind sie geteilter Meinung. Während Henning auf Ettikette nicht verzichten möchte, genießt Frauke die Freiheit, getrost alle Tischmanieren vergessen zu können. Doch gelten für das schnelle Essen zwischendurch wirklich gar keine Regeln?
Antwort: Wertschätzung der anderen Mitesser, Wertschätzung des Essens - das gilt immer, egal ob im Sternerestaurant, bei einer privaten Einladung zu Hause in der Essküche, einem Picknick oder im Fastfood-Restaurant. Nur weil das Essen nicht so kunstvoll zubereitet ist, ist dies noch lange kein Grund, auf eine Serviette zu verzichten oder etwas anderes zu tun, das vielleicht nicht so appetitlich ist.
Welches Besteck nimmt man fürs Dessert?
Ruth und Werner Ziegler mögen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Und mit einem üppigen Dessert wollen die beiden Gourmets dem bisher überaus gelungenen Abend die kulinarische Krone aufsetzen. Doch davon kann zunächst nicht die Rede sein. Bei Herrn Ziegler kommt plötzlich Unsicherheit auf: Muss er zum Essen des Desserts sowohl die eingedeckte Gabel als auch den Löffel benutzen? Oder könnte er sich auch für das Verwenden nur eines der beiden Utensilien entscheiden?
Antwort: In der Tat kann man beide Bestecke oder nur eines davon nutzen. Sie sind so eingedeckt, dass der Griff des Löffels nach rechts zeigt, der Griff der Gabel nach links. Die meisten Menschen verwenden das Besteck auch genau so. Man könnte es jedoch auch anders in die Hand nehmen oder nur eines der beiden Teile verwenden.
Lässt der Mann der Frau beim Ausstieg aus dem Fahrstuhl den Vortritt?
Klaus, ganz Kavalier der alten Schule, tritt so schnell in kein Fettnäpfchen. Schließlich verlangt sein Beruf Stilsicherheit und perfektes Auftreten. Manchmal aber stößt auch Klaus an seine Grenzen. In einem engen Fahrstuhl zum Beispiel lässt er der Dame den Vortritt. Aber muss sich die Dame beim Aussteigen wirklich an Klaus vorbeidrängeln oder kann Klaus die Regel nun außer Kraft setzen und selber vorangehen?
Antwort: Vortritt gewähren hat etwas mit Respekt und Achtung des anderen zu tun. Das wird der andere aber nur dann auch so empfinden, wenn ihm dadurch keine unangenehme Situation beschert wird. Niemand geht gerne so eng an jemandem vorbei, dass man die andere Person fast streift. So gebietet es Rücksicht und Höflichkeit, zuerst aus so einem kleinen Aufzug auszusteigen.
An einem gemeinsamen Geschenk der Kollegen muss ich mich nicht beteiligen?
Tabea Preller ist die gute Seele des kleinen Unternehmens, in dem sie arbeitet. Nie vergisst sie einen anstehenden Geburtstag. Und so ist sie wieder mal dabei, das Geschenk für einen ihrer Kollegen einzupacken. Wie immer sammelt sie dafür Beiträge bei der Belegschaft - und wie immer beteiligen sich auch alle daran. Nur der neue Kollege hält nichts davon, er verweigert kategorisch seine Beteiligung. Tabea Preller ist vor den Kopf gestoßen: Ihrer Meinung nach ist es ungeschriebenes Gesetz, sich an einem gemeinsamen Geschenk zu beteiligen. Aber stimmt das wirklich? Antwort: Schön ist die Verweigerung wirklich nicht. Der beschenkte Kollege wird es als Ablehnung verstehen. Aber auch alle anderen, die mitgemacht haben, fühlen sich nicht so gut dabei. Schließlich müssen sie nun alle ein wenig mehr bezahlen. Zudem werden sie sich fragen, warum einer so ausschert. Liegt es an ihnen? Am Geburtstagskind? Am Geschenk? Was ist schiefgelaufen? Wem das Betriebsklima wichtig ist, der sollte hier nicht außen vor bleiben, sondern sich auch beteiligen.
Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.)
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