Trotz aller Bemühungen, sich an verabredete Termine zu halten, lässt es sich manchmal nicht vermeiden, jemanden warten zu lassen. Für die Betroffenen ist dies meist ärgerlich, aber wann und wie entschuldigt man sich für die Verspätung? Dürfen Theaterbesucher, die erst nach Beginn der Vorstellung eintreffen, darauf bestehen, ihren Platz in der Mitte der Sitzreihe einzunehmen? Was bedeuten Angaben wie „c.t.“ und „s.t.“ und in welchem Rahmen darf man sie verwenden? Sollten Sie zu einer Einladung in einen Haushalt auf die Minute pünktlich erscheinen und müssen Sie ihre Gäste mit dem Essen warten lassen, bis auch Nachzügler eintreffen?
Was tun bei notorischen Zuspätkommern?
Marianne hat eine Verabredung mit ihrer besten Freundin. Doch die lässt – wie immer – auf sich warten. Und so sitzt Marianne schon wieder seit über einer halben Stunde am vereinbarten Ort und wartet und wartet und wartet. Wie aber sollte man verfahren mit notorischen Zuspätkommern?
Antwort: Sich jedes Mal zu ärgern, das wäre schade. Schließlich fängt dann die Verabredung schon unter einem negativen Vorzeichen an. Besser kann Folgendes sein: Eine ungefähre Uhrzeit an einem schönen Ort wie einem Café vereinbaren. Wenn vereinbart ist, dass man sich dort zwischen 18.00 und 18.30 Uhr trifft, so kann die zuerst Eintreffende gemütlich etwas trinken und im mitgebrachten Buch lesen. Oder man vereinbart, dass die Freundin immer kurz anruft, wenn sie das Haus verlässt, so kann man ausrechnen, wann sie am vereinbarten Ort ist und sich selbst darauf einrichten.
Verspätung per SMS melden?
Stress und Zeitdruck ist Gustav Adler gewohnt. Sein Kalender ist vollgestopft mit Terminen. Da kann es schon mal zu einer ungewollten Verspätung kommen. So auch heute. Als offensichtlich wird, dass Herr Adler seinen Anschlusstermin nicht schafft, verschickt er eine SMS, damit sein Geschäftspartner Bescheid weiß. Doch als er mit 40 Minuten Verspätung erscheint, erntet er böse Blicke. Dabei hat er sich doch korrekt verhalten und sein Verspäten ordentlich mitgeteilt. Dass seine Nachricht nicht beim Adressaten ankam, hat er allerdings nicht bemerkt ...
Antwort: Sicher, er hat es mitgeteilt. Doch der andere hat die Nachricht nicht erhalten und ist verärgert. Hier muss man um Entschuldigung bitten und nachfragen, wie man den anderen in so einer Situation besser erreichen kann. Schließlich kann immer wieder etwas passieren und eine Nachricht auf das Handy erscheint logisch – sie müsste eigentlich eher zum Wartenden kommen, als eine Mitteilung über einen anderen Kommunikationsweg.
Wie hält man ein Weinglas richtig?
Ruth und Werner Ziegler genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Vor allem die reichhaltige Weinkarte lockt die beiden Feinschmecker immer wieder hierher. Doch kaum sind die edlen Tropfen serviert, kommt schlechte Stimmung auf bei den Eheleuten. Denn Herr Ziegler fasst sein Weinglas bedenkenlos am Kelch an, während Frau Ziegler sich sicher ist, dass dieser beherzte Griff völlig fehl am Platze ist. Ein Weinglas wird ihrer Meinung nach immer am Stiel gehalten. Aber liegt sie damit richtig?
Antwort: Ein Weinglas wird immer am Stiel gehalten. So vermeidet man unschöne Fingerspuren am Kelch, der Wein wird nicht unnötig erwärmt. Zudem lenkt kein Geruch von der Hand - wie Seife oder Creme - ab, wenn man trinkt. Greift die Hand jedoch um den Kelch, so ist sie beim Trinken sehr nahe am Gesicht und kann somit auch das Geschmacksempfinden beeinträchtigen.
Händeschütteln mit Handschuhen?
Egal, wie kalt es draußen ist – auf ihre täglichen Spaziergänge durch die Natur will Annemarie Busch nicht verzichten. Schließlich wirken die wie ein wahrer Jungbrunnen auf die Rentnerin. Und: Sie begegnet dabei immer wieder auch alten Bekannten. Während Frau Busch bei der Begrüßung den Handschuh anlässt, ist ihr Gegenüber davon überzeugt, dass man diesen zum Schütteln der Hände ausziehen sollte. Aber wer von beiden hat nun Recht?
Antwort: Aus einem modernen Handschuh ist man schnell geschlüpft – zudem geht es ja gerade beim Handschlag um den persönlichen Kontakt. So kalt, dass einem dann sofort die Finger einfrieren, ist es hierzulande auch nicht. Es ist persönlicher und entgegenkommender, den Handschuh für die Begrüßung auszuziehen.
Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.)
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