Auf Regen folgt Sonnenschein. Beim Wetter mag das zutreffen, wenn es jedoch um zwischenmenschliche Konfliktsituationen geht, liegen die Dinge ein wenig komplizierter. Nach einem Streit müssen die Wogen bewusst geglättet werden. Doch wie entschuldigt man sich in der jeweiligen Situation angemessen? Wann ist ein schriftliches und wann ein mündliches Schuldeingeständnis angebracht? Gehören zu einer Versöhnung Blumen oder ähnliche Aufmerksamkeiten? Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Entschuldigung, wer muss unbedingt auf wen zukommen und wann kann man eine Entschuldigung ausschlagen?
Entschuldigen per E-Mail?
Ein Freund, ein guter Freund – ja, das ist wirklich das Beste auf der Welt. Für Uwe Probst und seinen alten Freund Günther scheinen diese Zeiten seit einem heftigen Streit allerdings ein für alle Mal vorbei zu sein. Doch auf einen Versöhnungsversuch will es Probst ankommen lassen. Er schreibt seinem Freund eine E-Mail, schließlich kann er sich darin ganz in Ruhe erklären - und eine wohlüberlegte Entschuldigung formulieren. Aber ist das wirklich der richtige Weg, sich bei jemandem zu entschuldigen?
Antwort: Nein, das ist sicher nicht der beste Weg. Es geht hier um eine sehr ernste und wichtige Sache. Die Bedeutung, die man ihr selbst beimisst und damit auch die Bedeutung, die die Freundschaft für einen selbst hat, kann betont werden, indem man hier einen Brief schreibt. Gerade dadurch, dass dieses Medium heute eher selten geworden ist, gewinnt jeder Brief allein dadurch an Gewicht. Im Falle des Entschuldigungsschreibens wäre ein handgeschriebener Brief allerdings die richtige Wahl.
Wo gehört die Serviette hin?
Ruth und Werner Ziegler genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Viele unbeschwerte Stunden hat das Ehepaar hier schon verbracht. Und auch diesmal verspricht es ein in jeder Hinsicht gelungener Abend zu werden. Doch kaum ist die Vorspeise serviert, wird Herr Ziegler unsicher: Er will es auf keinen Fall riskieren, sein helles Hemd mit Tomatensuppe zu bekleckern. Also wäre es am besten, die Serviette in den Kragen zu stecken. Aber ist das wirklich schick in einem Restaurant wie diesem?
Antwort: Nein, nur Kinder tragen Lätzchen. Erwachsene, die im vollen Besitz ihrer Beweglichkeit und Feinmotorik sind dagegen nicht. Also: Gut aufpassen!
Darf ich Weihnachtswünsche erfragen?
Carola Winter ist im Weihnachtsfieber. Schon lange bevor der Trubel so richtig losgeht, hat sie alle Geschenke für ihre Lieben schon zusammen. Für jeden hat sie sich ein ganz besonderes und individuelles Geschenk ausgedacht und viel Zeit darauf verwendet, die Vorlieben jedes einzelnen zu treffen. Umso enttäuschter ist Carola, als sie von ihrer Mutter gefragt wird, was sie sich zu Weihnachten wünsche. In den Augen der Tochter ist das überaus unhöflich. Aber stimmt das?
Antwort: Es ist heute nicht immer so einfach, genau zu wissen, was man jemanden schenken soll. Die meisten Menschen haben all das, was man wirklich zum Leben braucht. Geschmäcker und Vorlieben ändern sich viel schneller, als es früher der Fall war, egal ob es sich dabei um Hobbys, Literatur oder Musik handelt. Wer kein Standardgeschenk will, sondern dem anderen wirklich eine Freude bereiten möchte, der muss oft nachfragen. Nicht zu jedem lieben Menschen hat man immer einen so engen Kontakt, dass man genau wissen kann, wofür er sich zurzeit besonders begeistert. Wie schade, wenn sich jemand nicht zu fragen traut, was er schenken soll und dann irgendein Buch kauft. Eine Frage ist im Interesse des Beschenkten – damit kann sie nicht unhöflich sein.
Getränke selber nachschenken?
Viktor Jeschke und Rita Ott sind zu einem gemütlichen Plauderabend verabredet. Während Rita ausgiebig von ihrem Urlaub berichtet, genießt Viktor den mitgebrachten Wein in vollen Zügen und so geht sein Glas schnell zur Neige. Allein, die Gastgeberin ignoriert die auffordernden Blicke ihres Gastes und tut nichts gegen die Leere in dessen Glas. Aber darf Viktor nun eigenmächtig zur Flasche greifen und sich selbst nachschenken?
Antwort: Nein, schließlich ist er der Gast. Da bedient man sich nicht einfach selbst. Er kann nur darum bitten, ob er vielleicht ein Glas Wasser bekommen kann. Diese Bitte ist immer und überall gestattet. Vielleicht fällt der unaufmerksamen Gastgeberin dann auf, dass sie auch noch etwas von dem Wein anbieten könnte.
Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.)
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