Winterzeit ist Erkältungszeit, aber wünscht man heutzutage eigentlich beim Niesen noch Gesundheit? Sind Stofftaschentücher wirklich die richtige Wahl bei Schnupfenasen? Und was tun, wenn Sie während einer Theatervorstellung von einem hartnäckigen Hustenanfall gequält werden?
Schnupfenzeit: Sagt man heute noch "Gesundheit"?
Susanne ist die einzige in ihrer Firma, die sich noch keinen Schnupfen eingefangen hat. Alle anderen hat es erwischt. Um sie herum wird den ganzen Tag genießt und geschnäuzt. Da sie gelesen hat, dass es unhöflich ist, dem Niesenden ein wohlgemeintes "Gesundheit" zu wünschen, verkneift sie es sich, auf die Nieser um sie herum zu reagieren. Doch bei ihren Kollegen kommt ihr Schweigen gar nicht gut an und schnell werden ihr böse Blicke zugeworfen. Also doch besser Gesundheit wünschen?
Antwort: Gerade wenn viele Menschen zusammenarbeiten und alle erkältet sind, ist es ganz deutlich, warum man nicht "Gesundheit" wünschen sollte: Schließlich würde der Tag nur noch darin bestehen, den anderen Personen den Wunsch zuzurufen, die dann wiederum "Danke" sagen um gleich darauf wieder zu niesen. Mit Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung hat das Ganze dann wirklich nichts mehr zu tun. Eleganter und freundlicher ist es, den erkälteten Kollegen einmal und eine Wertschätzung auszusprechen, dass sie trotz Erkältung zur Arbeit kommen und einen nicht alleine auf allem sitzen lassen: "Dich hat es ja ganz schön erwischt, ich bin froh, dass du trotzdem gekommen bist."
Restaurant: Wann kommt die Serviette zum Einsatz?
Ein romantisches Dinner bei Kerzenschein scheint für Richard genau das Richtige, um das Herz der schönen Maria zu erobern. Und natürlich will sich Richard nur von seiner besten Seite zeigen und mit guten Tischmanieren punkten. Doch schon als der "Gruß aus der Küche" serviert wird, ist er unsicher. Ist das jetzt bereits der richtige Zeitpunkt, um die Serviette auf dem Schoß auszubreiten?
Antwort: Damit ist er schon zu spät dran. Die Serviette sollte auf dem Schoß liegen, sobald man bestellt hat und die Karten dann vom Tisch sind. Schließlich weiß man nie, wann ein erster Gang oder ein "Gruß aus der Küche" kommt.
Wer gibt die Bestellung im Restaurant auf?
Ruth und Werner genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Doch die Speisekarte stellt die beiden Feinschmecker wie immer vor die Qual der Wahl, denn zu köstlich hören sich die einzelnen Gerichte an. Dann haben die beiden ein neues Problem: Wer gibt jetzt eigentlich die Bestellung auf – jeder selbst? Oder immer der Herr? Oder derjenige, der später bezahlt, also der Gastgeber?
Antwort: Der Gastgeber sollte die Bestellung für den Gast abgeben. Schließlich geht es ja darum, jemand anderen zu verwöhnen und zu umsorgen, ihm oder ihr einen schönen Abend zu bereiten. Außerdem gibt Ruth so gleich dem Service ein Signal, dass sie heute die Gastgeberin ist, also auch sie die Rechnung bekommt.
Kniggefalle Visitenkarte
Arthur ist Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens und als solcher hat er regelmäßig Termine mit potentiellen Kunden. Selbstverständlich gehört für ihn zur Begrüßung das Austauschen der Geschäftskarten, schließlich sollen beiden Seiten genau wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und als Ranghöherer sollte selbstverständlich er seinem Besucher als erster die Visitenkarte überreichen. Aber stimmt das wirklich?
Antwort: Ein Besucher, der zu einem Termin kommt, sollte zuerst seine Visitenkarte überreichen. Schließlich ist er eher der "Fremde", er stellt sich somit dem anderen vor. So ist es in den meisten Situationen auch der Rangniedere, der seine Karte zuerst überreicht. Dennoch bleibt es dem Ranghöheren selbstverständlich überlassen, selbst seine Karte zu zücken, wenn die Situation vielleicht unklar ist und man gar nicht weiß, ob es überhaupt zu einem Austausch kommt oder wenn der andere es nicht tut. Zudem könnte es ja die Situation geben, dass man auf einen Dienstleister trifft, dessen Service man in Anspruch nehmen möchte. Hier kann man auch gerne die eigene Karte zuerst zücken und den anderen bitten, ein Angebot zu schicken.
Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.)
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