Nadelstreifen, gestreiftes Hemd und gemusterte Krawatte - stimmt es wirklich, dass drei Muster zu viel sind? Was ist der Unterschied von Einreiher und Zweireiher? Muss man immer einen kompletten Anzug tragen, oder kann man auch Teile kombinieren? Und geht es heute auch ohne Krawatte? Welche Länge muss sie haben, wenn sie gebunden ist? Wie legt man Hemden richtig in den Koffer, damit sie nicht zerknüllen? Und wie oft darf man einen Anzug tragen, bis man ihn zur Reinigung geben muss?
Das Sakko offen tragen: lässig oder nachlässig?
Einen Anzug zu tragen, ist nicht jedermanns Sache. Auch Georg Schöngau ist eher mit Pulli und Jeans vertraut als mit edlem Zwirn. Schwer tut er sich deshalb, wenn es um die richtige Art, den Anzug zu tragen, geht. Gilt die alte Regel, dass das Sakko sobald man aufsteht zugeknöpft und beim Setzen wieder aufgeknöpft wird, überhaupt noch?
Antwort: Oh ja, diese Regel gilt immer noch. Wer aufmerksam Fernsehen schaut, der wird feststellen, dass fast alle Männer, die im Licht der Öffentlichkeit stehen (außer Künstlern) ihr Jackett schließen, wenn sie aus einem Auto steigen oder im Bundestag nach vorne zum Rednerpult gehen. Frauen, die einen klassischen Businessanzug tragen, tun gut daran, es ebenso zu handhaben. Es sieht nicht nur schlanker und eleganter aus, es ist auch eine Geste des Respekts gegenüber der anderen Person.
Läuft der Chef links oder doch rechts?
Pia Dettmers ist höchst zufrieden. Sie hat den Job als Chefsekretärin! Zur Feier des Tages lädt ihr neuer Vorgesetzter sie nun zum Essen ein. Doch die Zusammenarbeit der beiden wird schon auf den ersten Schritten auf eine harte Probe gestellt. Als Dame sollte sie doch auf seiner rechten Seite gehen. Aber spielt es nicht auch eine Rolle, dass er ihr beruflich übergeordnet ist? Und auf welcher Seite geht die ranghöhere Person?
Antwort: Grundsätzlich gilt: Links schützt rechts. Das bedeutet, dass die Person, die in einer bestimmten Situation einen höheren Rang hat, auf der rechten Seite geht. Viele kennen noch die Idee, "die Dame geht und sitzt immer rechts". Nachdem wir heute in einer Gesellschaft leben, in der eine Frau nicht unbedingt die Rolle einer "Dame" sondern einer Ingenieurin oder Verkäuferin hat, kann man all diese Regeln des gesellschaftlichen Umgangs nicht immer eins zu eins auf den Beruf ummünzen. Im Beruf entscheidet somit nicht das Geschlecht über Rang- und Reihenfolgen, sondern die Hierarchie. Das bedeutet wiederum, dass eine Frau, die als Dienstleisterin oder Sekretärin auftritt, ihrem Kunden oder Vorgesetzten den "besseren", in diesem Fall den rechten Platz überlässt.
Fauxpas: Die Serviette vom Boden wieder aufheben
Ruth und Werner Ziegler genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Das regelmäßige Dinieren in gehobenem Ambiente ist den beiden Gourmets mittlerweile zur schönen Gewohnheit geworden. Denn ihre erstklassigen Tischmanieren kommen hier erst richtig zur Geltung! Doch mit der gewohnten Selbstsicherheit ist es schlagartig vorbei: Die Serviette rutscht Herrn Ziegler vom Schoß - direkt auf den Fußboden! Aber wie sollte er sich jetzt verhalten – die Serviette einfach liegen lassen, sie unauffällig aufheben oder vielleicht doch lieber das Personal um Hilfe bitten?
Antwort: In einem Restaurant wird man die Serviette liegen lassen. Ein aufmerksamer Service bemerkt es von selbst und bringt unaufgefordert eine neue. Kommt niemand von alleine zu Hilfe, so kann man einfach darum bitten, eine neue Serviette zu bekommen. Ein Tasten unter dem Tisch auf dem schmutzigen Boden bietet sich einfach nicht an. Das ist weder höflich noch elegant. Am Ende des Essens räumt der Service sowieso auf, da ist es dann ein Leichtes, auch die Serviette wieder aufzuheben. Manch einer denkt, es wäre unhöflich, die selbst fallen gelassenen Dinge nicht auch selbst wieder aufzuheben. Das mag für viele andere Situationen stimmen, hier jedoch nicht. Spricht man einmal mit den Angestellten der guten Gastronomie, so kann man feststellen, dass es für sie eine wichtige Aufgabe ist, den Gast so sehr es nur geht zu verwöhnen und zu umsorgen. Sie fühlen sich dann so, als hätten sie etwas übersehen oder versäumt, wenn ein Gast sich selbst um diese Dinge kümmert.
Deko: Bezahlt ist bezahlt!
Richard Schneider kommt in seiner Mittagspause regelmäßig hierher, denn auf die Küche in diesem Restaurant ist einfach Verlass. Und auch heute wieder wird der Geschäftsmann nicht enttäuscht – alles schmeckt einfach wunderbar! Doch viel zu schnell ist es vorbei mit dem Genuss – bis auf die hübsche Dekoration ist nichts von dem leckeren Gericht übrig geblieben. Unmöglich, dieser gesunden Verlockung zu widerstehen. Kurzerhand isst Schneider die Dekoration also auf, schließlich liegt sie genau deshalb auf dem Teller. Aber ist das richtig?
Antwort: Was heute Dekoration ist und was zum Essen gehört, lässt sich in den meisten Fällen nicht mehr klar unterscheiden. Kreative moderne Küche müht sich, auch für die Augen ein besonderes Bild zu kreieren. Deshalb gilt generell: Alles, was auf dem Teller ist, kann auch gegessen werden.
Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.)
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