Auch der richtige Umgang mit dem Besteck will gelernt sein. Aber wie legt man Messer und Gabel bei einer Essenspause korrekt ab? Braucht man Fischbesteck auch für zuhause und wie benutzt man ein Obstbesteck? Stimmt es, dass das Messer nicht an der Gabel abgestrichen werden darf? Und darf man bei bestimmten Gerichten die Pfanne auch auf dem Tisch abstellen?
Muss die immer Tischdecke weiß sein?
Constanze hat alle Hände voll zu tun, denn sie hat Gäste eingeladen! Ein ganz besonderer Abend soll es werden – klar, dass ein perfekt eingedeckter Tisch den richtigen Rahmen dafür bildet. Die Gläser sind poliert, die Servietten gestärkt und das Besteck auf Vollständigkeit überprüft – eigentlich könnte es mit dem Decken losgehen. Allein, Constanze ist unsicher, was die Wahl des Tischtuchs betrifft. Muss ein festlich eingedeckter Tisch immer mit einer weißen Decke ausgestattet sein, oder wäre es durchaus möglich, sich für eine farbige Variante zu entscheiden?
Antwort: Traditionell gilt immer noch die gestärkte weiße Damastdecke mit passenden Stoffservietten als besonders stilvoll. Sie können allerdings auch mit farbigen Tischaccessoires, wie Tischdecken, Servietten, Kerzen, Blumen und anderen Dekorationsmitteln Ihrem Tisch eine festliche Note geben. Ein edler Holz- oder Marmortisch kommt sogar mit feinem Geschirr, schönen Gläsern und Ihrem besten Besteck ganz ohne Tischdecke aus. Sie beweisen damit dennoch Stil. In vielen gehobenen Restaurants gilt zurzeit ein puristischer Stil als besonders chic. Gestärkte Stoffservietten sind allerdings immer ein Muss. Sie sollten auch bei einer besonders feinen Kaffeetafel nicht durch Papierservietten ersetzt werden.
Ein Bierchen im Restaurant?
Ruth und Werner Ziegler genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Doch zwischen Vorspeise und Hauptgang kommt schlechte Stimmung zwischen den Eheleuten auf, denn zum Ärgernis von Ruth Ziegler möchte ihr Mann weiterhin Bier zum Essen trinken. Ihrer Meinung nach sollte er in diesem gehobenen Ambiente darauf verzichten und stattdessen wie sie Wein zum Hauptgang bestellen. Aber hat sie damit Recht und ist es tatsächlich ordinär, in einem schicken Restaurant Bier zum Essen zu trinken?
Antwort: Auch in Restaurants der gehobenen Kategorie werden heutzutage verstärkt edle Biersorten angeboten. Die Auswahl ist groß – Bier ist sozusagen salonfähig geworden. Es ist also keinesfalls ordinär- sich zu Gerichten à la Carte ein Bier zu bestellen, vorausgesetzt, es passt zu den ausgewählten Speisen. Sind Sie allerdings zu einem Essen eingeladen, bei dem die Menüfolge vorgegeben ist und korrespondierende Weine vorher ausgewählt wurden, wäre es stillos Bier, Colagetränke oder Limonade zu bestellen. In diesem Fall sollten Sie auf Wasser ausweichen, wenn Sie kein Weintrinker sind.
Wann dekantiert man Wein?
Peter liebt es, Gäste zu Hause zu bewirten. Die Vorbereitungen für den bevorstehenden Abend laufen auf Hochtouren. Und mit gekonnten Handgriffen deckt der passionierte Gastgeber den Tisch perfekt ein. Jetzt fehlt nur noch der Wein. Und der stellt Große vor ein Problem: Der edle Tropfen ist noch keine zwei Jahre alt, seiner Meinung nach also viel zu jung, um dekantiert zu werden. Egal – besser sieht der Wein im Dekanter aus. Also ignoriert Große kurzerhand die Regel, dass nur sehr alte Rotweine dekantiert werden. Aber stimmt die überhaupt?
Antwort: "Wein kann man aus vielerlei Gründen dekantieren: Reife Rotweine, um sie vom sogenannten Depot zu trennen", sagt Markus Del Monego, einziger deutscher Weltmeister der Sommeliers. "Der klare Wein ist dann in der Karaffe und das Depot bleibt in der Flasche zurück. Junge Rotweine werden dekantiert, um sie intensiv zu belüften und damit die Aromen stärker zum Ausdruck zu bringen, sowie Säuren und Tannine milder erscheinen zu lassen. Weißweine, besonders wenn sie im Barrique ausgebaut werden, profitieren vom Umfüllen in eine Karaffe, da sich so die Aromen besser entwickeln und sich die Tannine etwas milder präsentieren", so Del Monego weiter. Das heißt, Peter liegt ganz richtig, wenn er seinen jungen Rotwein in die Karaffe umfüllt.
Autor: Lis Droste (Die Autorin ist selbständige Stil- und Etikettetrainerin in Frankfurt/M.)
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