Etikette und mehr
Etikette-Expertin von Vorsicht Fettnäpfchen!

Nie ohne mein Handy

Montag, 01. März 2010 - 17:35 Uhr

Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr Handys als Einwohner. Der richtige Umgang mit diesem modernen Kommunikationsmittel will dennoch gelernt sein. Aber in welchen Situationen sollten Sie Ihr Mobiltelefon unbedingt stumm bzw. ganz ausschalten und wie formulieren Sie den Ansagetext Ihrer Mailbox richtig? Kann man Anrufe auf dem Handy des gerade nicht anwesenden Kollegen annehmen? Ist es in Ordnung, das Telefon beim Restaurantbesuch auf dem Tisch abzulegen und wie lange kann man Freunde und Kollegen auf dem Handy anrufen?

Single-News

Handy im Restaurant?

Nur selten sehen sich Marion und ihr Sohn Jakob, um in Ruhe zu plaudern. Nur von Ruhe kann heute nicht die Rede sein, denn Jakob ist ein vielbeschäftigter Jungunternehmer und sein Handy klingelt ohne Unterlass. Sogar als die beiden längst am Tisch sitzen, will Jakob ein Gespräch annehmen. Alles dienstlich und damit wirklich wichtig, versichert der Sohn der verärgerten Mutter. Doch wie sollte sich der Geschäftsmann nun richtig verhalten? Kann er das Gespräch vor Ort führen oder sollte er dafür das Restaurant lieber verlassen?

Antwort:
Besser wäre es gewesen, wenn Jakob seiner Mutter vor dem Termin gesagt hätte, dass er nicht garantieren kann, sie in Ruhe zu sehen, da er leider wegen einer dringenden Sache das Handy anlassen müsste. So hätte sie wenigstens das Gefühl gehabt, dass ihm das wirklich Leid tut und dass er auch gerne etwas mehr Zeit für sie gehabt hätte. In einem Café stört er mit dem Telefonieren aber nicht nur seine Mutter, sondern auch alle anderen Gäste. Deshalb sollte jeder für längere Gespräche den Raum verlassen. Außerdem gilt gerade bei beruflichen und dienstlichen Angelegenheiten, dass schließlich nicht jeder mithören sollte, was besprochen wird.

Was tun gegen des Nachbars laute Kopfhörer?

Marion hat eine Operation gut überstanden und ihrer Genesung würde auch nichts im Wege stehen, wäre da nicht ihre Zimmergenossin im Krankenhaus. Rund um die Uhr hört die – zwar mit Kopfhörern – Musik, das aber so laut, dass Marion jeden einzelnen Ton mitbekommt. Wie sollte Marion die rücksichtslose Bettnachbarin darauf ansprechen? Oder sollte sie des lieben Friedens willen lieber schweigen?

Antwort:
Vielleicht ist die Bettnachbarin gar nicht so rücksichtslos, schließlich hat sie ja schon Kopfhörer aufgesetzt. Möglicherweise ahnt sie gar nicht, wie geräuschdurchlässig diese sind. Deshalb sollte Marion die Dame auf jeden Fall ansprechen, schließlich leidet ihre Gesundheit sonst darunter, wenn sie nicht ruhen kann. In freundlichem Ton darauf hinzuweisen, dass man jeden Ton mithören kann, das sollte den Frieden nicht gefährden.

Wie nimmt man richtig den Mantel ab?

Ruth und Werner wollen sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen lassen. Schon seit Jahren genießt es das Ehepaar, sich bei besonderen Anlässen ein Dinner in dieser stilvollen Umgebung zu gönnen. Ganz Gentleman will Werner seiner Frau aus dem Mantel helfen. Allein, die Reihenfolge, die dabei einzuhalten ist, bereitet ihm Kopfzerbrechen: Sollte er zuerst seinen Mantel ablegen und dann seiner Frau behilflich sein? Oder ist es umgekehrt und "Mann" nimmt zunächst der Dame den Mantel ab und entledigt sich erst danach der eigenen Garderobe?

Antwort:
Ein Gentleman wird zuerst der Dame den Mantel abnehmen, so muss sie nicht lange in einem beheizten Raum mit dem warmen Mantel stehen. Dann legt er den eigenen Mantel ab und beide gehen zu Tisch. Verlassen sie das Restaurant, so ist aus dem oben genannten Grund die Reihenfolge genau umgekehrt: Der Mann zieht sich zuerst den Mantel über, reicht dann seiner Begleitung die Kleidung. So muss wiederum er mit Winterkleidung im Warmen stehen, nicht die Dame.

Darf die Abkürzung "MfG" überall verwendet werden?

Als Sekretärin eines großen Unternehmens hat Annelies täglich mit einer wahren Flut an Geschäftspost zu tun. Klassische Briefe kommen dabei immer seltener vor, denn längst haben Faxe und E-Mails ihren Siegeszug angetreten. Kein Problem, denn Annelies geht mit der Zeit! Nur eine Sache fällt ihr immer wieder negativ auf: Viele E-Mails sind mit dem Kürzel "MfG" versehen. In den Augen der eingefleischten Sekretärin ein Unding! Aber muss man die standardisierte Grußformel "Mit freundlichen Grüßen" heutzutage wirklich noch ausschreiben?
Antwort:
Natürlich versteht jeder "MfG", dennoch ist es nicht höflich. Wenn sich jemand noch nicht einmal die Zeit genommen hat, mich freundlich zu grüßen, dann ist es mit unserem Kontakt nicht so weit her. Was wäre dann der nächste Schritt. Hält der andere mir bei einer persönlichen Begegnung ein Schild entgegen, auf dem "Guten Tag" steht? Es ist auch unverständlich, warum manche Menschen diese unfreundliche Bequemlichkeit eingehen. Schließlich ändern moderne Computer die Abkürzung normalerweise von selbst in die ausgeschriebene Grußformel um. Altmodischere Textverarbeitungsversionen können mit Tastenbelegungen "aufgefrischt" werden, sodass durch den Anschlag von einer Tastenkombination ebenfalls ein kompletter Gruß dasteht – wenn es denn schon um Bequemlichkeit geht. Der Kontakt zu den Mitmenschen, mit denen wir beruflich oder privat zu tun haben, sollte uns doch wenigstens die Mühe eines Grußes wert sein. Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.) Die Rechte für den Faxabruf liegen beim MDR. Jegliche Nutzung bzw. Vervielfältigung von Informationen oder Daten, insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des MDR. VF 165
Knigge von Nandine Meyden
 
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