Etikette und mehr
Etikette-Expertin von Vorsicht Fettnäpfchen!

Erfolgreich bewerben

Montag, 15. März 2010 - 17:35 Uhr

Auf eine freie Stelle kommen meist etliche Bewerber. Umso wichtiger ist es, sich durch eine perfekte Bewerbung von der Konkurrenz abzuheben. Doch wer sollte sich per E-Mail bewerben und wer lieber in der klassischen Papierversion? Wie muss ein Anschreiben richtig formuliert sein, welche Informationen dürfen im Lebenslauf nicht fehlen und wie wichtig ist das Bewerbungsfoto?

Single-News

Bedankt man sich für ein Bewerbungsgespräch?

Besser könnte ein Bewerbungsgespräch nicht laufen! Matthias Reuter ist voll in seinem Element und auch sein potenzieller Chef scheint einen positiven Eindruck von Reuter zu haben. Nur zu gern würde der Ingenieur das Auswahlverfahren um den einen Traumjob für sich entscheiden. Und weil er gehört hat, dass es sich empfiehlt, dem Gesprächspartner nach einem Vorstellungstermin für das Gespräch zu danken, setzt Reuter umgehend eine entsprechende E-Mail an seinen möglicherweise zukünftigen Vorgesetzten auf. Schließlich wird sich der positive Eindruck, den er hinterlassen hat, so noch verstärken. Aber liegt der Jobanwärter damit wirklich richtig?

Antwort:
Eine ganze Reihe von Umfragen zeigen, dass es viele Firmen sogar vermissen, wenn sich jemand nach einem Gespräch nicht dafür bedankt. Eine kurze Nachricht sorgt also nicht nur dafür, dass wir in Erinnerung bleiben, sie setzt auch ein positives Signal.

Muss man zu einem Bewerbungsgespräch möglichst früh kommen?

Ronny Seifert ist aufgeregt, schließlich wurde er zu einem vielversprechenden Vorstellungsgespräch eingeladen! Und um mit absoluter Pünktlichkeit einen guten Eindruck bei seinem potenziellen Arbeitgeber zu machen, trifft Seifert dort extra früh ein. Schließlich hat er gehört, dass man möglichst zeitig zu einem Bewerbungsgespräch erscheinen sollte. Die dreißig Minuten Wartezeit bis zum Termin nimmt der Jobanwärter also gern in Kauf. Aber liegt Seifert mit dieser Strategie wirklich richtig?

Antwort:
Eine halbe Stunde vor einem Termin vor dem Büro aufzutauchen ist keine gute Idee. Möglicherweise ist der Arbeitgeber noch mit einem anderen Bewerber beschäftigt und möchte nicht so gerne, dass die beiden sich begegnen. Vielleicht gibt es auch keinen geeigneten Platz, um zu warten. Wie dem auch sei: Es sieht immer ein wenig nach schlechter Zeitplanung, vielleicht sogar nach Ungeduld oder Drängeln aus. Natürlich sollte man nicht in letzter Sekunde erscheinen – auch das spricht nicht für sorgfältige Planung.

Wer bietet wem das Du-Wort an?

Steffi Winkelmann ist neu in der Firma, aber mit über 20 Jahren Berufserfahrung weiß sie längst, wie der Hase läuft. Deshalb auch reißt sie ziemlich schnell das Ruder an sich und zeigt den jungen Kollegen, was sie zu tun haben. Und da in ihrer Branche das Du im beruflichen Umgang Usus ist, bietet sie ihren jüngeren Kollegen auch gleich selbiges an. Doch ist es wirklich an ihr als Firmenneuling, das Du anzubieten?

Antwort:
Abgesehen davon, dass es immer schwierig ist, wenn man als "Neuer" in der Firma zu viel an Neuerungen vorschlägt: Hier liegt ein Formfehler vor, der schnell für böses Blut sorgen kann. Unter Kollegen, die ja gleichrangig sind, kann natürlich jeder das Du anbieten, hier würde man keine Unterschiede zwischen Mann und Frau machen. Allenfalls ist der Generationsunterschied in Betracht zu ziehen. Gibt es also zwei Kollegen, die ungefähr auf der gleichen Hierarchiestufe sind, so würde das Angebot eher von demjenigen ausgehen, der deutlich älter als eine Generation ist. Ist einer der beiden nur fünf Jahre älter, so spielt das keine Rolle. Was aber immer mehr zählt als Alter und Geschlecht, aber nicht mehr als Hierarchie, ist die Frage der Betriebszugehörigkeit. Sicher würde man es als gleichwertig betrachten, wenn einer von beiden schon fünf Jahre dort arbeitet und der andere erst drei Jahre. Gibt es aber einen Kollegen, der im allgemeinen Empfinden deutlich der "Neue" ist, dann muss diese Person warten, bis ihr die "Alteingesessenen" das Du anbieten.

Soll man im Restaurant mit dem Essen warten?

Ruth und Werner Ziegler genießen es, sich in ihrem Lieblingsrestaurant so richtig verwöhnen zu lassen. Viele unbeschwerte Stunden hat das Ehepaar hier schon verbracht. Und auch diesmal verspricht es ein in jeder Hinsicht gelungener Abend zu werden. Doch als der Hauptgang serviert wird, kommt bei den Zieglers plötzlich schlechte Stimmung auf: Denn Frau Ziegler hat ihr Gericht bereits, während ihr Mann sich noch gedulden muss. Damit nichts kalt wird, beginnt seine Frau schon mit dem Essen. Für Herr Ziegler ein Unding! In seinen Augen darf erst dann gegessen werden, wenn alle Bestellungen serviert wurden. Aber liegt er damit richtig?

Antwort:
Ein Essen sollte ja etwas Gemeinsames sein, kein Alleingang. Deshalb ist es das Ziel, möglichst zum gleichen Zeitpunkt zu starten und mit nicht zu viel Abstand voneinander auch zu enden. Es ist nicht sehr höflich, einfach selbst schon anzufangen und dem anderen, der vielleicht sehr hungrig ist, dann noch den Mund wässrig zu machen. Doch auch für den noch Wartenden ist es nicht sehr nett, den anderen Gast vor seinem langsam erkaltenden Teller sitzen zu lassen. Hier ist also gegenseitige Rücksichtsnahme gefragt. Dauert das Warten nur einen kurzen Moment, so bleibt das Essen stehen. Sieht es so aus, als ob es längern dauern könnte, dann gibt derjenige, der noch nichts hat, dem anderen ein Zeichen, dass er gerne schon anfangen kann. Autor: Nandine Meyden (Die Autorin ist selbständige Benimm- und Kommunikationstrainerin in Berlin.) Die Rechte für den Faxabruf liegen beim MDR. Jegliche Nutzung bzw. Vervielfältigung von Informationen oder Daten, insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des MDR.
VF 167
Knigge von Nandine Meyden
 
  Startseite    Kontakt    Impressum    Teilnehmer  

"Der echte Knigge - mehr als Stil & Etikette."